Ingrid Sondershaus

Beginnen möchte ich hier mit einem Text von Ingrid Sondershaus weil ich denke, dass dies eine Erfahrung wiederspiegelt, die viele beim ersten mal machen. Denn nur gemeinsam sind wir stark. 

 

Mein Tempo

 

Ich radle vor mich hin. Zum ersten mal bin ich dabei, bei der BR-Radltour. Die Rundfunkwerbung hat mich neugierig gemacht. „Tags radeln, abends feiern, so führt. die Tour durch Bayern“, so hört man da. Das wollte ich mal erleben.

Sorgfältig habe ich mich vorbereitet. Rad geputzt, Kette geschmiert, trainiert. Jeden Sonntag vor dem (zugegeben späten) Frühstück nahm ich den „Kalchreuther Berg“ in Angriff. Nach ein paar Wochen fuhr ich auf der anderen Seite auch wieder hinunter und nahm die Steigung noch einmal. Es wurde immer besser. Ich fühlte mich fit für die Tour.

Und jetzt bin ich hier, eine von 1200 Radlerinnen und Radlern. Ich fahre. Mein Tempo, wie immer zuhause. Ich werde überholt. Macht nix. Es fahren auch viele jüngere Leute mit, viele Männer. Die sind halt schneller. Ich bin ja immerhin schon 58. Ich fahre meinen Rhythmus. Atmen und treten. Alles ist gut. Eine Weile noch. Ich genieße die Aussicht auf die hügelige Landschaft. Ich werde überholt. Immer wieder, eigentlich ständig. Ich versuche schneller zu treten. Aber meine Beine fühlen sich müde an. Gestern hatten mir einige Frauen erzählt, dass sie durch die Anstrengung Wadenkrämpfe bekommen würden. Sie nehmen deshalb Magnesium. Fängt das jetzt bei mir auch so an? Magnesium oder das viel gepriesene „Power-Gel“ habe ich natürlich nicht dabei. Die Situation stresst mich jetzt. Ich beobachte mich weiter. Was hatte die eine noch gesagt, wenn man zu langsam fährt muss man in den Besenwagen (Begleitbus) einsteigen. Ich drehe mich um. Tatsächlich, da hinten biegt er schon um die Ecke! Mist!. Warum nur habe ich mich zu dieser Tour angemeldet. Ich schaffe das nicht!

Er kommt von hinten, hält sich dicht neben mir. „Komm, hänge dich dran, ich ziehe dich mit“. Völlig überrascht blicke ich mich um, kapiere erst mal nicht, worum es geht. Er wiederholt den Satz. „Komm, hänge dich bei mir dran, ich ziehe dich mit“. Er fährt immer noch neben mir, beschleunigt sein Tempo ein bisschen. Und ich verstehe jetzt, was er meint.

Ich trete etwas kräftiger in die Pedale, und ich bleibe an seinem Hinterrad. Ich werde schneller, kaum zu glauben. Und jetzt überholen wir. Das beflügelt mich. Meine Beine sind plötzlich nicht mehr müde. Neue Energie durchflutet mich. Wir überholen schon wieder. Das läuft ja super. Ich kann es kaum fassen. Den Besenwagen sehe ich längst nicht mehr.

Nach einer Weile wird er mir doch zu schnell und ich hänge mich an eine andere Gruppe dran, die ein für mich gutes Tempo hat. Alleine gegen den Wind fahre ich nicht mehr.

Gerne hätte ich mich bei meinem Retter am Abend auf der Party bedankt und ihm ein Bier spendiert. Leider konnte ich ihn nicht finden, nicht erkennen. Schwarzes Treckingrad, schwarze Radlerhose, blau-weißes Radlershirt, Helm. So sehen hier unterwegs fast alle aus. Ich hatte ihn ja nur von hinten gesehen und ihn dann wieder verloren. Schade.

Denn er hat mich, er hat mir diese Tour, er hat mich für die BR-Radltour überhaupt gerettet. Ich weiß jetzt, was in mir steckt. Ich nutze die Dynamik im Pulk. Ich fahre ein anderes Tempo.

Nie bekam ich Wadenkrämpfe, nie brauchte ich Magnesium und niemals musste ich in den Besenwagen einsteigen.

Seit 2006 bin ich dabei. Fast jedes Jahr. Jetzt freue ich mich auf die Tour von 2020.

 

Ingrid Sondershaus

 

August 2019


Ingrid Sondershaus

Radltour – Song

 

Die Buben und die Madeln,

die sind ganz heiß aufs Radeln

Das ganze Jahr schon fiebern´s hin,

haben nur die Radltour im Sinn.

 

Refrain:

BR-Radltour, das ist Freude pur

Nur Radeln und gut essen, da kannst dein Stress vergessen

 

Wir radeln durch ganz Bayern

Tags sporteln abends feiern.

Manch Städtchen rückt ins Rampenlicht

Worüber sonst gar niemand spricht.

Ref……..

 

Eine Woche grüne Welle / Drum radeln wir so schnelle. / Kein rechts vor links, kein Stolperstein, / die Polizei sie weist uns ein.

Ref.....

Der Berg verliert seinen Schrecken / Lass doch das Navi stecken / Du find´st deinen Tritt, der Pulk zieht mit, / Du spürst dei Kraft, dann hast Du´s g´schafft.

Ref.…..

Und wenn Dir mal die Luft ausgeht / Dann hängst dich hinten dran. / Ein breites Kreuz und Satteltaschen / Das ist der rechte Mann.

Ref......

Leben im Camp, wer hätt´s gedacht / Dass d´ verzweifelt suchst dein Bett in der Nacht. / Du suchst deine Socken, suchst dein Rad, / dann noch ein Sitzplatz, niemals wird’s fad.

Ref.....

Der Bayrischen Kultur entgehst Du nicht. / Der Pfarrer und der Herr Minister spricht. / Doch kennst auch d´ Rosi aus der Münchner Stadt / Und den Haberfeldtreiber, der kein Taug net hat….

Ref.....

Die Disco auf´d Nacht hält uns in Schwung. / Wir tanzen, rocken, fühlen uns jung. / A Glaserl am Weinstand, du lernst Leute kennen, /  Da kannst schon mal die Gymnastik verpennen

Ref.......

Der Zieleinlauf ist einfach Klasse. / Die Zuschauer jubeln, bilden die Gasse. / Nie sonst bekommst so viel Applaus. / Da haut´s dir doch gleich den Vogel raus.

Ref......

Nach der Tour ist vor der Tour, / es sind ja 51 Wochen nur. / Du bleibst dran und hältst Dich fit, / denn nächstes Jahr willst wieder mit

BR Radltour, das ist Freude pur.

Nur radeln und gut essen, das wirst du nie vergessen

Zum Refrain:

Man könnte nach jedem Vers einen andern Begriff in den Refrain einfügen:  ……da kannst dein Stress vergessen z. B. das Auto, CO2, die Arbeit, den Chef, Burnout, deine Sorgen, die Politik

……das wirst du nie vergessen.

 

 

Ingrid Sondershaus / April 2019